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Artikel zu den surrealistischen Arbeiten

 

Märkische Allgemeine | 24. August 2008
Es sind die grellen Farben, dieses scheinbar heillose Durcheinander phantastischer Kreaturen, die den Blick auf sich ziehen, aber auch gleichzeitig verwirren, ...
Kai Hellbardts knallige Figura-Obscura-Welten, die mitunter zeitgemässe Züge Bosch'scher Szenarien tragen, sorgen für reichlich Anregung, sich in die Tiefen der eigenen Phantasie zu begeben. Mischwesen menschlicher und tierischer Art tummeln sich ineinander übergehend, auseinander erwachsend, monströse Mäuler verschlingen metamorphe Gestalten oder würgen sie geradezu aus sich heraus- so genau lässt sich das nicht ergründen.  Doch haben die Ausgeburten der Hellbardt'schen Phantasie bei aller Skurilität auch häufig etwas Liebliches an sich.
Wie für die gesamte Komposition benutzt Kai Hellbardt auch für die Konturen Ölfarben.In stundenlanger akribischer Feinarbeit entstehen so unter seinem Pinsel sehr flächig wirkende Werke voller Dynamik, die ganz und gar nicht an typischei Ölmalerei erinnern.Doch was hat es wohl mit der fotorealistischen Dame auf sich, die optisch so gar nicht ins Bild der Ausstellungskomposition passt? Auch sie ist Kai Hellbardts Pinsel entsprungen- ein anderes Extrem, das man nicht erwarten würde. Aber solche Porträts sind für Hellbardt eine willkommene Abwechslung zur Ausschüttung der regen Phantasie.

Potsdamer Neueste Nachrichten | 23. August 2008
Der Blick irrt über die Leinwand und findet kaum Halt . Auch die grellbunten Farben sind wie ein Aufschrei, der in Unruhe versetzt. Kai Hellbardts skurrile Bilderwelt ist eine Explosion der "Unterwelt". Helden der Kindheit verbünden sich mit Obsessionen der Jugend und heutigen Verrücktheiten. Die ineinander verschlungenen Metamorphosen von Mensch und Getier scheinen förmlich den Rahmem zu platzen. Das mit feinem Pinsel detailbesessen auf die Leinwand gemalte Verwirrspiel ist wie Treibsand, der das Unterbewusste sogartig an die Oberfläche spült. "Ich muss aufpassen,dass ich beim Malen nicht den Boden verliere", sagt der Künstler. Wenn er sich in einem stundenlangen "Rausch" frei malt, sei er danach so sensibilisiert wie nach einer Fastenkur. Und es passiere auch schon mal, dass er seine eigenen obskuren Figuren hinter der nächsten Strassenecke auftauchen sieht. "Inzwischen dosiere ich die Arbeit auf acht bis zehn Stunden am Tag", ...

TOP-MAGAZIN | 2. Ausgabe | 2007
"Es tummelt sich die Welt"
Eine Endlosschleife an Ideen- Der Berliner Maler Kai Hellbardt
Er malt seit der frühesten Kindheit und kommt aus einer Künstlerfamilie. Der Vater, Opernsänger und Maler, förderte verständnisvoll das Talent des Jungen.
Sein Porträt hat Kai Hellbardt aufbewart. Auf einem Blatt Notenpapier schaut ein Mann mit gütiger Strenge und man mag kaum glauben, dass Kai Hellbardt erst sieben Jahre alt war, als er es malte. Schon da fällt die Konturlinie auf, die noch heute in allen seinen Bildern zu finden ist. Später beginnt er sein Kunststudium in Berlin-Weissensee und Dresden. Sein Malstil findet in Berlin kaum Verständnis, er passt nicht in gängige Kunstlehren, und Kai Hellbardt passt sich nicht an. 1988 geht er in den Westen, kehrt 1991 nach Berlin zurück und lebt und arbeitet seither im Prenzlauer Berg. Hier findet er die Ruhe, die er zum Arbeiten braucht. So nähert er sich jedem neuen Bild: Da ist eine leere Leinwand, da sind Ölfarben- und seine Ideen, die wie aus einer Endlosschleife sprudeln. " Vor 15 Jahren habe ich manchmal überlegt, was ich tue, wenn mir die Ideen ausgehen. Heute hat sich das eher umgedreht. Ich weiss, dass mein Leben nicht endlos ist." Vielleicht malt er deshalb wie ein Besessener, zwölf bis sechszehn Stunden am Tag, Wochenenden kennt er nicht. Sein Atelier ist Arbeits- und Wohnbereich zugleich, Bilder sind überall. Darauf regen sich Fabelwesen mit Menschengesichtern, dämonische Figuren, Alltagsgegenständen, mystische Tiere und verschlungene Allegorien. Alles ist in Bewegung, die Wesen sind miteinander verbunden." Es tummelt sich die Welt", sagt der Maler.Viele der Bilder erinnern in ihren scheinbar unendlich vielen Details und symbolischen Einzelheiten an Hieronymus Bosch, den rätselhaften Altmeister. Es hängt von der Interpretationsfähigkeit des Betrachters ab, ob und inwieweit die Entschlüsselung dieser Bilderwelt gelingt....

BERLINER ZEITUNG | 20. Mai 2006 | Tip der Woche
An lebende Piktogramme erinnern Hellbardts Bilder, die sich mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigen. Dem Betrachter zeigt sich eine ambivalente Welt. "Drei Kinder vom Bahnhof Zoo träumen von einem gemütlichen Abend am Kamin- doch die Realität zerstört diesen Traum"; unten das Sofa, oben die Fixerspritze....

MAGAZIN | 01-97
"Es hängt doch alles zusammen" Wer je den Begriff echtes Ölgemälde weihevoll ausgesprochen hat, kommt bei diesen Bildern schwer ins Schleudern. Sehr flächig, wie bei Acryl, sind die Farben aufgebracht, keine Übermalungen, keine fliessenden Übergänge, klare Konturen. Manchmal wird das Format gesprengt. Offensichtlich war die Gemengelage der Figuren, die Vielfalt der Piktogramme, der Verworrenheit der Situation so gross,  dass das Rechteck nach oben oder nach unten in beiden Richtungen einen Anbau brauchte. Und so mäandern sich die unendlichen Geschichten über das Normalformat hinaus in die Nischen. Die Männeken sind lustig und manchmal auch ziemlich geil, die geometrischen Zeichen witzig, der Witz bissig, bisweilen flapsig, hin und wieder banal, manchmal philosophisch. Die Erotik leuchtet in grellen Farben, phantasievoll, voller Obsessionen, bisweilen absurd, weibliche und männliche Genitalien prangen in schillernder Übergrösse. Das alles zusammen ist kunterbunt in Szene gesetzt. Da ist was los auf der Leinwand. Da vergesse ich doch glattweg, an Keith Haring zu denken, den legendären amerikanischen Graffitikünstler, und an Gustavo, den Berliner von Mallorca, der... Solche Begriffe wie epigonal oder Post-Pop-art berühren mich überhaupt nicht. Ich mach` mich einfach auf den Weg durch die Labyrinthe und merke schnell, es gibt da keinen Anfang und kein Ende. Einfach reinspringen und sich an dem endlosen Faden der Einfälle entlanghangeln. Ein Ende ist nicht abzusehen. Es ist ein Irrgarten ohne Ausgang. Raus kommt man nur, wenn man abhebt. ...In ein Musterbuch, im Kopf abgespeichert,  trägt er alle schon einmal verwendeten Zeichen ein- Bausteine für seinen Mikrokosmos der unbegrenzten Möglichkeiten. Und so tauchen bestimmte Dinge auf den unterschiedlichsten Bildern in immer neuen Variationen und in anderen  Zusammenhängen auf. ...Die Formate werden immer grösser, die Bilder mit den zusammenhängenden Figuren immer vertrackter. Wer einen Sinn darin sucht, tut nichts anderes als der junge Mann beim Malen....

BERLINER ZEITUNG | 23. Dezember 1996
In nobler Gegend lauert ein Maler auf den Ruhm Künstlerateliers finden sich meist in unwirtlichen Nischen, in engen Mansarden und unbeheizten Fabriketagen. Die meisten bildenden Künstler meiden die glitzernde Konsumwelt. Der Maler Kai Hellbardt dagegen hat einen eleganten Glaskäfig in einem Luxushotel neben dem Berliner Dom zu seinem Arbeitsraum gemacht. Auf der Strasse herrscht Dauerstau, von aussen gucken die Fussgänger rein, drinnen sitzt der Künstler an der Staffelei. Manchmal malt er, meist wartet er auf neugierige Spaziergänger, die sich in ein Plausch verwickeln lassen.  Auf stolzen 550 Quadratmetern präsentiert er in diesen Monaten sein Gesamtwerk: verwinkelte Labyrinthe comicartiger Phantasiewesen....Alle Wesen dynamisch miteinander verbunden. "Primär ging es mir natürlich darum, einen eigenen Stil zu finden...
Mit seiner " Werbung durch Anwesenheit",will er auch Kontakte zu Wirtschaftsunternehmen und Ausstellungsmachern knüpfen. Er will bereit sein für die Zufälle des Lebens....

DER TAGESSPIEGEL | 19. April 1994
Der Angriff der Propellerbananen Kai Hellbardts BIldtitel sind oft weniger Bildtitel als kleien Bandwurmgeschichten aus Kalau: "Während eines grossangelegten Lauschangriffs im Zoologischen Garten erfährt der Arbeitsminister, dass drei Bonner Verpackungsunternehmer sämtliche Speditionsfahrzeuge der Republik bis zum Jahr 2000 fahruntüchtig umgarnen". Frech geht es munter im Stil von, Kennen Sie den? weiter: "Mit einer korrupten Nasenlänge von zwölf Zentimetern erreicht der Schatzmeister des Kulturministeriums als erster Bonner Beamter das Hard Rock Cafe in Berlin und wird dort für den Erlass der Sperrstunde mit einer goldenen Gitarre geehrt". ...Sein neues Thema ist der auf die lange Regierungsbank geschobene Zaudermarsch vom Rhein an die Spree.... So chaotisch und ausgeflippt, wie sich mancher biedere Beamter die Berliner Szene in seinen kühnsten Alpträumen nicht auszumalen wagt, geht es bei Kai Hellbardt zu...
Es hagelt Seitenhiebe wie Querschläger in Allparteienrichtung....
Der an sich schon kabarettreifen Realsatire Regierungsumzug künstlerisch noch eins draufzusetzen, das gelingt allenfalls noch als Seifenoper....

BERLINER MORGENPOST | 20 Oktober 1993
"Dinos ", das aktuelle Saurierthema bei jung und alt, nahm der Berliner Maler Kai Hellbardt aufs Korn. Seine Phantasie-Urzeitler verewigte er auf skurrile Art, nennt seine neueste Ausstellung " Dinos und andere Merkwürdigkeiten"...

 

Artikel zu den Portraits

BERLINER MORGENPOST | 30. November 2004
Nur drei Tage für das Porträt des Gutsherrn Berliner Maler Kai Hellbardt schwärmt vom " Abenteuer 1900"
"Das war mein spannendstes Erlebnis seit Jahren", schwärmt Kai Hellbardt von seiner Rolle als Porträtmaler in der heutigen 12. Folge der ARD.Vorabendserie "Abenteuer 1900-Leben im Gutshaus". Das Abenteuer, auf das sich der gebürtige Köpenicker einliess, dauerte im vergangenen Mai drei Tage. In dieser kurzen Zeit hatte er ohne Fotovorlage und technische Tricks ein Ölbild des Gutsherrn Dr. Weber zu schaffen, das den Ansprüchen der Filmproduktionsfirma gerecht wurde. Von den vielen Stunden, die der Maler vor der Kamera arbeitete, werden heute zwar nur wenige Ausschnitte gezeigt. Aber der Aufwand, den der Regisseur Volker Heise schon allein der Planung widmete, war beachtlich. Heise erschien Monate vor Beginn der Aufnahmen mit einer Assistentin im Atelier Hellbardts, um sicherzugehen, dass sich der Maler auch für die Aufgabe eigne. Dabei entschied er: Das Gutsherrenbild soll im gleichen Stil wie eines der dort vorhandenen Porträtbilder ausfallen.
Als der Berliner Maler dann im Gutshaus im mecklenburgischen Belitz erschien, herrschte von Anfang an Zeitdruck. "Ich konnte nicht einmal das sonst übliche, ausführliche Vorgespräch mit dem zu Porträtierenden führen", ... Im Gutshaus, wo ihm Weber Modell saß, wurde es frühzeitig dunkel, weil Bäume vor den Fenstern stehen. Außerdem mußten die Sitzungen immer dann unterbrochen werden, wenn der Hausherr an den gemeinsamen Mahlzeiten teilzunehmen hatte. ...
Seine Farbtuben mußte er in Gläser mit Korkverschluß umfüllen. Bei den Pinseln achtete man streng darauf, dass sie keine Preisetiketten trugen und auch sonst nicht modern aussahen.
Am Abend des dritten Tages konnte der Maler, "gerade noch Mit den letzten Sonnenstrahl" seine Signatur unter das fertige Bild setzen. Es wurde sofort vom Diener gerahmt, im großen Salon des Erdgeschosses rechts vom Kamin -über einem grünen Biedermeiersofa aufgehängt und ging in den Besitz der Familie Weber über.